Was ist naturally equal?

naturally equal vereint zeitgemäße politische Bildung und Naturverbindung. Bei naturally equal findest du Bildungsangebote und Empowerment-Erlebnisse zu den Themen Geschlechtergerechtigkeit, Dekolonisierung und kultureller Aneignung im Naturverbindungskontext. Außerdem findest du bei naturally equal die Möglichkeit dich in Bezug auf diesen Themen mit Gleichgesinnten zu vernetzen.

Was für Programme bietet naturally equal an?

Im Grundlagen- und Vertiefungskurs „Geschlechterreflektierte Wildnispädagogik“ sind in erster Linie Menschen angesprochen, die selbst in der Naturverbindungsarbeit tätig sind, aber auch diejenigen, die gerne Kurse „aus dieser Szene“ besuchen und lernen möchten, wie solche Räume mit einem Blick auf Geschlechtergerechtigkeit diskriminierungssensibler gestaltet werden können.

Bei In-House Trainings haben Organisationen wie Wildnisschulen, aber auch Projektteams, Gemeinschaften oder Vereine die Möglichkeit, fachkundige Unterstützung zu erfahren, um ihre Arbeit und ihre Gemeinschaft diskriminierungssensibler, inklusiver und dekolonialer zu gestalten.

Das Queere Naturnetzwerk ist ein safer space für queere Menschen, die sich für gemeinsame gelebte Naturverbindung interessieren. Jährlich gibt es ein Sommerfest, bei dem alle Queers eingeladen sind gemeinsam Zeit in der Natur zu verbringen. Ein Empowerment-Angebot für queere Menschen in einem naturverbundenen Rahmen wird 2025 im Programm von naturally equal hinzukommen.

Der Schwerpunkt der Arbeit von naturally equal liegt bisher auf der Geschlechtergerechtigkeit. Das bedeutet, dass wir stark traditionell geprägte Rollenbilder von Männern und Frauen und damit einhergehende leidbringende Machtdynamiken hinterfragen. Wir setzen uns außerdem für eine stärkere Sichtbarkeit von Queerness ein. Als weiteren Schwerpunkt ist es uns wichtig, zu den Themenbereichen Dekolonisierung und kulturelle Aneignung aufzuklären. Dieser letzte Themenbereich fließt in alle Angebote von naturally equal mit ein und soll zukünftig auch ein eigenes Kursformat erhalten.

You can’t solve a problem that you won’t name or that you won’t recognize is real.

Tim Wise

Warum gibt es naturally equal?

Die deutschsprachige Naturverbindungs-Szene, sei es Wildnispädagogik, Initiatische Prozessbegleitung, Natur-Ritualarbeit, der Lernpfad und viele weitere Lernfelder, setzen sich für positive Grundwerte ein, darunter die Verbindung von Menschen und Natur zu stärken. Die Szene sieht sich allerdings auch mit Problemen konfrontiert. Zu diesen zählen ein oftmals wenig reflektiertes Rollenbild von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“, sowie damit verbundene leidvolle Machtdynamiken. Ebenso sind queere Menschen weitestgehend unsichtbar und erfahren häufig, zwar oft unbeabsichtigt, aber dennoch Diskriminierung. BIPoC sind zudem kaum bis gar nicht vertreten und eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus findet häufig nicht statt. Weiterhin werden in großem Maße (oft vermeintliches) indigenes Wissen oder Sichtweisen verbreitet, ohne Rücksicht auf Dekolonisierung oder einer kritischen Auseinandersetzung mit kultureller Aneignung.

Besonders erschreckend sind Hinweise auf eine Anschlussfähigkeit von rechtem Gedankengut an das Lernfeld der Wildnispädagogik, wenngleich die meisten wildnispädagogischen Angebote nicht als Rechts einzustufen sind. Naturally equal unterstützt Menschen dabei, weiterhin die positiven Seiten der Naturverbindungsarbeit zu leben und weiterzugeben, dies aber vor dem Hintergrund einer zeitgemäßen politischen Bildung, sodass Diskriminierung in diesen Lernfeldern nicht mehr so einfach einen Platz finden kann.

Eine Transformation steht an, doch wie kann diese gelingen? Die Themen, um die es geht, sind groß und komplex. Naturally equal hat keine einfachen Antworten für diese Herausforderungen, das wäre unseriös. Vielmehr lädt naturally equal dich ein, ein Stück des Weges mit uns zu gehen, den wir schon gegangen sind. Transformation kann nur gemeinsam gelingen. Lass es uns gemeinsam anpacken!

Change is never easy, but always possible.

Barack Obama

AKTUELLES

In diesem Podcast mit Eva Densing (Gründerin von naturally equal) und Martino Abis von der Wildnisschule Astori Rewild kannst du mehr über Geschlechtergerechtigkeit und Naturverbindungsarbeit erfahren!

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Mehr Informationen

„Wildnispädagogik ist politisch – ob wir wollen oder nicht“

Lena Blechschmitt, teilnehmerin Geschlechterreflektierte Wildnispädagigk 2026

Lies dir hier den Text einer Teilnehmerin des Grundkurses Geschlechterreflektierte Wildnispädagogik durch:

Wildnispädagogik ist politisch – ob wir wollen oder nicht

„Wir machen Wildnispädagogik, keine Politik“ – diesen Satz habe ich im Kontext einer Auseinandersetzung über Verantwortung für diskriminierende Dynamiken in der Ausbildung gehört. Ich verstehe die Sehnsucht dahinter, nach einem Raum jenseits von Konflikten, nach Einfachheit und Gemeinschaft.

Doch je länger ich mit Gruppen arbeite, desto klarer wird mir: Räume, in denen Menschen zusammenkommen, sind niemals neutral. Sie sind geprägt von unseren Bildern von Geschlecht, von Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Normen. Wenn wir diese nicht benennen, wirken sie trotzdem – meist zugunsten derjenigen Privilegierten, die ohnehin Raum einnehmen können. Neutralität schützt nicht die Betroffenen, sondern den Status quo.

„You can’t solve a problem that you won’t name or that you won’t recognize is real.“

Tim Wise

Die Wildnispädagogik steht für wertvolle Grundhaltungen: Naturverbindung, Gemeinschaft, Achtsamkeit. Gleichzeitig zeigen sich in der Szene eine Reihe von Herausforderungen: wenig reflektierte Rollenbilder der Geschlechter und damit verbundener Machtdynamiken, Unsichtbarkeit queerer Menschen, geringe Präsenz von BIPoC oder unkritische Weitergabe vermeintlich indigenen Wissens ohne Bezug zu Dekolonisierung oder kultureller Aneignung. Zusätzliche Hinweise auf die Anschlussfähigkeit einiger Narrative an rechtes Gedankengut legen die Notwendigkeit einer klaren Positionierung nahe.

Vor diesem Hintergrund wurde das Seminar von naturally equal zur geschlechterreflektierten Wildnispädagogik für mich zu einem wichtigen Erfahrungsraum politischer Bildung in der Naturverbindungsarbeit. Wir setzten uns dort mit Diversität in der Geschlechterreflexion auseinander, reflektierten gesellschaftliche Männlichkeits- und Weiblichkeitsanforderungen und entwickelten Handlungsstrategien zur Prävention interpersonaler Gewalt. Auch die eigene Biografie wurde im Spiegel gesellschaftlicher Geschlechterrollen behutsam betrachtet.

Die Gruppe vereinte Menschen aus verschiedenen Generationen der Naturverbindungsarbeit. Der aktiv geförderte Austausch innerhalb dieses Raums hat mich darin bestärkt, diese Impulse bewusst weiterzutragen und meine Verantwortung in der Gestaltung sichererer und zugänglicher Räume ernst zu nehmen.

Immer klarer wird mir dabei, dass Sicherheit eine zentrale pädagogische Grundkategorie ist. Nur wenn Menschen sich sicher fühlen, können sie ihre Wahrnehmung öffnen, neugierig werden, zuhören – sich selbst, anderen und der Natur. Sicherheit ist die Voraussetzung dafür, dass Bindung, Vertrauen und Kreativität entstehen können. Wo sie fehlt, wird auch der Zugang zur eigenen Wahrnehmung brüchig.

Dabei reicht es nicht aus, wenn ein Raum lediglich „für alle in Ordnung“ erscheint. Oft entsteht dieser Eindruck auch deshalb, weil gerade niemand anwesend ist, der von Ausschlüssen oder Verletzungen betroffen ist. Sicherheit muss deshalb aktiv hergestellt und reflektiert werden – nicht nur individuell, sondern auch strukturell.

Die Haltung und Kultur von Institutionen ist ein zentraler Faktor der Prävention. Strukturelle Gewalt ist bei uns gesellschaftlich zwar massiv dokumentiert, aber keineswegs naturgegeben oder „normal“. In verschiedenen gesellschaftstheoretischen Perspektiven wird vielmehr ein historischer Kipppunkt beschrieben, in dem Gewaltstrukturen im Zuge der Zuschreibung von Macht an männlich gelesene Körper systematisch verfestigt wurden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, gesellschaftliche Machtverhältnisse und patriarchale Strukturen kritisch mitzudenken.

Es ergibt sich für mich auch eine klare Verantwortung: Aufklärungsarbeit kann nicht allein Aufgabe derjenigen sein, die Diskriminierung erfahren. Es liegt in der Verantwortung aller, sich zu bilden, hinzusehen und achtsam zu handeln. Denn selbst wertschätzend gemeinte Nachfragen und Erklärungen kosten marginalisierte Menschen Kraft – Kraft, die sie nicht immer aufbringen können oder sollten.

Konkret wollen wir Kursteilnehmenden in unserer Praxis nun bewusster auf geschlechtergerechte Sprache achten, die das generische Maskulinum zunehmend ersetzen soll, uns mit Pronomen vorstellen, unsere Räume achtsam hinsichtlich Rollenangeboten gestalten und klare Präventionskonzepte gegen Grenzverletzungen erstellen und umsetzen.

Solche Veränderungen mögen klein erscheinen, doch sie sind Teil eines größeren kulturellen Wandels, für den dieses Seminar ein gelebter Erfahrungsraum war. Ein Ort des Sehens und des Auftankens. Ein Raum, in dem wir uns miteinander verwandt gemacht und beseelt haben, sodass unsere Hoffnung Tatkraft erhält. Ein Ort des gemeinsamen Lernens, der uns geholfen hat, leidbringende Muster unserer Sozialisierung zu erkennen und hinter uns zu lassen.

„Während die alte Welt zerfällt, weben wir dieses Netz. Wir sind ein Wald, der leise wächst.“

Carmina
Lena Blechschmitt im April 2026

Bildungsangebote

Empowerment-Angebote

Stimmen von Teilnehmenden

Standing und Offenheit

Ich fand den Workshop mit Eva super, vor allem weil sie es geschafft hat auch Menschen mit ganz unterschiedliche Positionen und sehr vielfältigen Meinungen zusammenzubringen und ein gemeinschaftliches Band zu weben. Es war sehr wertschätzend, offen und tolerant. Auch die Art wie Eva die Redebeiträge hat da sein lassen war klasse, weil allen Stimmen Raum gegeben wurde, aber sie diese nicht komplett beliebig im Raum hat stehen lassen. Ein ganz klares Standing und gleichzeitig eine ganz große Offenheit für die Positionen anderer.

Simone Henke

generationenübergreifend

Die Gruppe vereinte Menschen aus verschiedenen Generationen der Naturverbindungsarbeit. Der aktiv geförderte Austausch innerhalb dieses Raums hat mich darin bestärkt, diese Impulse bewusst weiterzutragen und meine Verantwortung in der Gestaltung sichererer und zugänglicher Räume ernst zu nehmen.

Lena Blechschmitt

kultureller Wandel

Solche Veränderungen mögen klein erscheinen, doch sie sind Teil eines größeren kulturellen Wandels, für den der Grundkurs ein gelebter Erfahrungsraum war. Ein Ort des Sehens und des Auftankens. Ein Raum, in dem wir uns miteinander verwandt gemacht und beseelt haben, sodass unsere Hoffnung Tatkraft erhält.

Lena Blechschmitt

der ganz persönliche Ausdruck

Besonders wertvoll ist für mich zu sehen, wie alle Menschen unter Anforderungen an Männlichkeit und Weiblichkeit leiden. Weil sie, binär oder nicht-binär, für niemanden zu erreichen sind. Sie sind ein Gefängnis, in dem wir alle bewusst oder unbewusst stecken. Sich daraus zu befreien und unseren ganz persönlichen Ausdruck leben zu können, ist ein Geschenk für alle.

Marcus Paesch
Marcus Päsch

Sicherheit als Grundlage

Immer klarer wird mir, dass Sicherheit eine zentrale pädagogische Grundkategorie ist. Nur wenn Menschen sich sicher fühlen, können sie ihre Wahrnehmung öffnen, neugierig werden, zuhören – sich selbst, anderen und der Natur.

Lena Blechschmitt

Queerness und Wildnispädagogik selbstverständlich nebeneinander

Meiner Erfahrung nach gibt es kaum Räume, in denen Queerness und Wildnispädagogik selbstverständlich nebeneinander existieren können. Umso erfüllender war es für mich, auf dem Seminar von Eva und Cathrin Teil einer Gruppe von Menschen zu sein, die sehr ähnliche Werte, Lebensweisen und Interessen teilen. Vor allem auf einer Zukunftsebene, da ich mich mit wundervollen Menschen vernetzen konnte und wir gemeinsam Wege finden, etwas zu verändern.

Heide Paqué

neues Vokabular und Grammatik

Wir hatten eine schwierige Situation im Team und ich habe gemerkt, wie gut mir das Seminar getan hat, um in der Situation strukturiert vorzugehen und mit der Sprachlosigkeit umzugehen, die solch ein Verhalten auslöst. Weil das eine ist ja das krasse Unbehagen, aber durch unseren Austausch beim Seminar und unsere Gruppenarbeit hatte ich dann in der konkreten Situation jetzt ein anderes Vokabular und Grammatik zur Hand in Bezug auf pädagogische Haltung.

Lee

weißer Cis-Mann

Wie ist es, als sogenannter weißer Cis-Mann diesen Kurs zu besuchen? Ich hatte schon etwas Sorge, in ein Feld zu kommen, in dem ich als weißer Cis-Mann zum Projektionsfeld des Kummers werden könnte. Dass es als schlecht angesehen wird, dass ich eben so bin, wie ich bin. Genau das Gegenteil war der Fall. Ich habe mich supergut abgeholt gefühlt und konnte mit meinen Fragen und Irritationen jederzeit da sein.

Marcus Paesch
Marcus Päsch